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An der CharitĂ© wurden seit ihrer GrĂŒndung venerische Frauen und MĂ€nner behandelt. Der erste Arzt Johann Theodor Eller (1689-1760) schrieb im ersten Teil seiner Publikation â... Medicinische und
Chirurgische Anmerckungen ...â (der vollstĂ€ndige Titel lautete: âNĂŒtzlich und auserlesene Medicinische und Chirurgische Anmerckungen sowohl von innerlichen als auch Ă€usserlichen
Kranckheiten, und den selbigen zum Theil verrichteten Operationen, welche bishero in dem von Sr. Königl. Maj. in Preussen gestifteten grossen Lazareth der Charité zu Berlin, vorgefallen; nebst einer vorangegebenen
kurzen Beschreibung der Stiftung, und jetzigen Beschaffenheit dieses Hausesâ) im Jahre 1730: âFĂŒr die mit Venerischen Kranckheiten behaffteten Patienten, ist man gezwungen worden, ein eigenes
Revier, oder besonders abgelegene Stuben einzurĂ€umen, und selbige zu der bequemen Cur dieser Kranckheiten zu aptiren ....â. Beispielsweise lag ein Jahr spĂ€ter der Anteil der Haut- und Geschlechtskranken bei 16,4
% aller hospitalisierten Patienten. Unter Horn wurden im Zeitraum 1807 bis 1817 insgesamt 4367 Geschlechtskranke in der CharitĂ© hospitalisiert und 3466 als geheilt entlassen. Besondere die Station fĂŒr venerische
Kranke litt unter dem allgegenwĂ€rtigen Raum- und Finanzmangel der CharitĂ©. So lagen die infizierten MĂ€nner in einem âeinzigen, langen und finsteren Saale eng aneinandergehĂ€uftâ und die âvenerisch kranken
Weiber hingegen ... dicht unter dem Dache, in zweien, nicht völlig ausgebauten, daher dem Winde und Wetter ausgesetzten und ĂŒberaus zugigen Boden-Localen zusammengedrĂ€ngtâ. Die Enge verhinderte zum einen, daĂ
âdie ekelerregendsten, eine schĂ€dliche AusdĂŒnstung verbreitenden, durch ihren Anblick zurĂŒckschreckenden, venerischen Kranken isolirt behandeltâ werden konnten. Zum anderen war es unmöglich, âdie zum
erstenmal angesteckten, guthmĂŒtigen und einer moralischen Besserung fĂ€higen MĂ€dchen von den BordellmĂ€dchen, welche in der Regel jedes moralische GefĂŒhl verleugnen, strenge zu scheiden.â
Die jeweiligen therapeutischen Richtlinien legten bis Anfang der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts der erste und zweite Arzt fest. In der Verabreichung von Quecksilber, bis zum Auftreten eines
leichten Speichelflusses, sah Horn die einzige sichere Therapieform der Syphilis (âgewöhnlich reichte ich das Kalomel, den solubilis Hahnemanni, den salpetersauren Merkur, den rothen
PrĂ€zipitat und vorzĂŒglich hĂ€ufig den Sublimat; am liebsten fĂŒr sich allein, oder mit einem schleimigen Zusatze. Ich lieĂ hĂ€ufiger Merkuraleinreibungen machen, als es zuvor gebrĂ€uchlich warâ). Die
Gabe âauslĂ€ndischer Wurzeln und Rindenâ hielt er fĂŒr nicht erforderlich, da sie nach seinen Erfahrungen keinen therapeutischen Nutzen aufwiesen. Als Arzt erschien Horn die chirurgische Therapie der purulenten
Bubonen wenig erfolgsversprechend. Er fĂŒhrte eine lokale Behandlung mit LeinkuchenpulverumschlĂ€gen ein und erreichte vermutlich einige therapeutische Erfolge (âDiesen BreiumschlĂ€gen wurden
dann nach UmstĂ€nden bald gewĂŒrzhafte, bald narkotische, bald scharfe Substanzen zugesetzt, z.B. Kamillenblumen mit KrausemĂŒnzenkraut, oder Bilsenkraut, oder Senf, Zwiebeln, schwarze Seife, durch deren thĂ€tige
Anwendung die LeistendrĂŒsenentzĂŒndungen, in recht zahlreichen FĂ€llen, glĂŒcklich zertheilt wurden.â).
Nach dem Ausscheiden Horns ĂŒbernahm sein Amtsnachfolger Neumann die Station fĂŒr venerische Kranke. Im Jahre 1822 entschloĂ sich das Kultusministerium, Neumann die Aufsicht ĂŒber die
âSyphilitischenâ zu entziehen. Offenbar war diese Entscheidung nicht die Folge einer fehlenden Qualifikation des zweiten Arztes, sondern vielmehr zur gleichmĂ€Ăigen Verteilung der DienstgeschĂ€fte zwischen
Neumann und Kluge getroffen worden.
Jedenfalls bestimmte Altenstein am 29.3.1822: âDas Königliche Polizei-PrĂ€sidium hat deshalb das Erforderliche zu verfĂŒgen und von der Hand die unmittelbare Aufsicht ĂŒber die Station der
Venerischen dem Professor Dr. Kluge zu ĂŒbertragen.â
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